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Worum geht`s?

Venezuela: Delfine, Stromausfälle und Tennis. Live aus dem real existierenden Chavinismus.

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Wappen Venezuelas

Archiv für Juni, 2007

Viva la Copa

Venezuela ist im Fuballfieber – und das, obwohl ansich Baseball die Sportart Nr.1 im Land ist. Dennoch hat es die am Dienstag begonnene Copa America (Meisterschaft des sdamerikanischen Fuballverbandes, vergleichbar mit der EM) geschafft, die Leute in ihren Bann zu ziehen.
Das momentane Straenbild erinnert Johannes an Deutschland im Sommer 2006 – viele Menschen in weinroten Fuballtrikots, berall Reklame fr Copa-Produkte (z.B. Pepsi mit Copa-Geschmack) und eine alles beherrschende Berichterstattung in den Medien. Der erste Spieltag wurde gestern beendet und hat die Begeisterung nur noch intensiviert – der sdamerikanische Fuball ist dem europischen zumindest in Sachen Spielwitz, Zauberei und Emotionen um Welten voraus.
Venezuela wird trotz Heimvorteil keine Chance eingerumt, zu schwach ist die Equipe im Vergleich zu den umliegenden Fuballnationen. Bei 16 Copa-Teilnahmen haben es die Vinotintos bislang auf einen einzigen (Spiel-)sieg gebracht, der mittlerweile auch schon ber 40 Jahre zurck liegt. Das berstehen der Gruppenphase wre schon eine kleine Sensation, obwohl man mit Bolivien, Uruguay und Peru eher schaffbare Gegner erwischt hat. In der „Todesgruppe“ B etwa htten mit Ecuador, Mexiko und Brasilien gleich drei WM-Achtelfinalisten gewartet. Gegen Bolivien gab’s im Erffnungsspiel immerhin ein achtbares 2:2.
Klarer Turnierfavorit: Argentinien, das mit allen Weltstars (Messi, Riquelme, Heinze, Zanetti, Crespo…) dabei ist und Gold-Cup Gewinner USA gestern Abend mit 4:1 wegfegte. Titelverteidiger Brasilien tritt blo mit der zweiten Wahl an und musste beim 0:2 gegen Mexiko schon erfahren, dass dies fr die Copa wohl nicht genug sein wird.

Die Spiele werden gleich von zwei Kanlen live bertragen – dem privaten Venevision und TVes, Chvez‘ neuem ‚Brgerfernsehen‘. Das ist in etwa so, als wenn die WM 2006 exklusiv auf ARTE zu sehen gewesen wre.
Whrend Venevision die kompetenteren Moderatoren, die besseren Bilder und eine ansprechendere Show hat, punktet TVes mit weitesgehender Werbefreiheit. Wahrscheinlich, weil sich die Unternehmen mit Werbung beim RCTV-Nachfolger vor allem aus Imagegrnden sehr zurck halten. Im Privatfernsehen wird in den Matches praktisch mintlich ein anderes Werbelogo eingeblendet, Ecken, Freiste und Tore werden von den Reportern ‚Sponsored by‘ erwhnt. TVes macht hauptschlich Eigenwerbung und trommelt fr verschiedene Staatsapperate (TK-Konzern, lgesellschaft, Senat).

Oben: Offizieller Copasong. Reine Gute-Laune-Mucke: Der Refrain lautet – exklusive ols – ein wenig debil ‚wir wollen zum Fuball, wir wollen spielen. Ich will die Copa gewinnen.‘

Geschrieben von Johannes Haupt am Freitag 29. Juni 2007

Ftterung der Ungeheuer

Allmontgliche Fischverftterung an die drei „Show-Delfine“ Dalila (w/~30j), Ulise (m/~22j) & Ademis (m/12j). Whrend Di.-So. die Ftterung mit den Shows verknpft ist, wird Montags – das Aquarium ist geschlossen – das Getier recht schnrkellos bergeben. Dass Fische als Belohnung fr Tricks von Trainer wie Delfinen als ungleich spannender angesehen wird, ist nicht zu bersehen.

Geschrieben von Johannes Haupt am Montag 25. Juni 2007

!rumbo al socialismo!

Chvez ist allgegenwrtig: Zahllose Wnde, Plakate (teils noch vom 2006er Wahlkampf) und – wie hier in Caracas – ganze Hochhuser sind mit seinem Antlitz verziert. Dass dabei nicht viele Inhalte vermittelt werden, findet Johannes nicht weiter tragisch – Propaganda sieht berall in der Welt gleich aus, auch auf deutschen Wahlkampfplakaten finden sich selten mehr als griffige Parolen. Unfreiwillig komisch dagegen: Die martialische Rethorik (vergl. vorab gepostete Wandmalereien & Texte – auf diesem Plakat unten zB der populre Slogan Vaterland, Sozialismus oder Tod) verbunden mit oft herzerweichenden Bildern.

Geschrieben von Johannes Haupt am Montag 25. Juni 2007

All you need

Der deutsche Exportschlager Venezuelas neben Luxusautos und allerlei maschinellem Krimskrams. Marx‘ Kapital in der einen, die Bibel in der anderen Hand, die Sonne scheint und Schmetterlinge umflattern den glcklichen Erdenbrger. Wer braucht da noch Arbeit, bezahlbare Lebensmittel oder gar Meinungsfreiheit?

Geschrieben von Johannes Haupt am Montag 25. Juni 2007

Gewagte These

Die Wandmalerei im relativ egalen Marakay (Hauptsttzpunkt der venezolanischen Luftstreitkrfte) behauptet: „Jeden Tag verhungern weltweit 30.000 Kinder aufgrund des Kapitalismus. – Wer sagt, der Kapitalismus ist gut?“
Vor vier Jahren htte Johannes diese Phrase noch sofort unterschrieben, sieht die Dinge nun aber ein wenig differenzierter. Das Dreigestirn rechts (Text darunter: Trio zur Formung des neuen Menschen) zeigt den gescheiterten Freiheitskmpfer Francisco de Miranda, Staatsgrnder Simn Bolvar und Guevara. Viele hnliche Malereien ziert auch Chvez Portrt.
Das Gebude ihinter der Wand ist brigens eine ffentliche Schule…

Geschrieben von Johannes Haupt am Montag 25. Juni 2007

Anti-US

Als Vegetarierer kann Johannes mit McD zwar auch eher wenig anfangen, findet die Symbolik (Text ber & unter MG: Lieber kmpfend sterben als versklavt leben) des Guten aber doch ein wenig zuviel. Dass die amerikanischen Fast Food Ketten hier prinzipiell bewaffente Securitys vor der Tr haben, ergibt durchaus Sinn.
Weitere beliebte Feindbilder der chvistischen Stadtverschnerungen: Coca Cola & Pepsi. Die beiden Unternehmen haben den venezolanischen Getrnkemarkt quasi unter sich aufgeteilt. So ist es fast unmglich, stilles Wasser zu kaufen, welches nicht von Cola oder Pepsi vertrieben wird – ein Bombengeschft, das Leitungswasser ist ungeniebar.
Besonders Pepsi ist ganz dick im Geschft, deren Franchise-Nehmer einer der reichsten Mnner des Landes. Die Produktpalette reicht von Bier (drei der vier populrsten Marken) ber alle erdenklichen Softdrinks bis hin zu Milch, Jogurt und Spaghetti. Bleibt Chvez noch ein paar Jahre an der Macht, drfte es fr den Multikonzern aber zappenduster aussehen. Im Bereich „Verstaatlichung von Privateigentum“ legt El Commandante ein mchtiges Tempo vor: Gerade erst hat es den TK-Quasimonopolisten und Mobilfunkbetreiber CanTV/Movinet erwischt, an dem sich die Regierung mittels sanften Drucks auf den bisherigen Mehrheitseigner Verizon die Aktienmehrheit sicherte.

Geschrieben von Johannes Haupt am Montag 25. Juni 2007

Peres

Schimon Peres wurde vor elf Tagen zum Ministerprsidenten Israels gewhlt! Tolle Sache, ein fhiger Mann – und der bislang einzige Friedensnobelpreistrger, mit dem Johannes ein paar Worte (‚Herr Peres, ich bewundere Ihr Lebenswerk‘. / ‚Vielen Dank!‘ / ab) wechseln durfe.
Das Foto zeigt Johannes, Peres‘ nervsen Bodyguard, seinen Hinterkopf und irgend eine High Society Lady beim Empfang des dt. Botschafters zum Tag der Einheit am 02.10.03 in Tel Aviv. Da sich Johannes zusammen mit anderen eingeladenen Volontren (Junge Deutsche arbeiten ein Jahr unentgeltlich in unserem Land! Lasst sie kommen!), die wie er inmitten der politischen Elite des Landes vllig deplatziert wirkten, ausgiebig am angebotenen Gratis-Beck’s verkstigte, hat er darber hinaus leider nicht mehr viele Erinnerungen an den Abend.

Geschrieben von Johannes Haupt am Montag 25. Juni 2007

Elf Minuten Venezuela

Kein Action-Clip von einer der zahlreichen Demonstrationen mit mehreren zehntausend Teilnehmern, die in den letzten Tagen durch die Straen der Grostdte Venezuelas zogen. Keine Bilder von aufwiegelnden – aus den USA gelenkten – Oppositionsfhrern, die angeblich zahlreich Stimmung gegen Chvez machen. Keine bezahlten Protestler. Lediglich eine Kundgebung von Studenten der ffentlichen Universidad de Carabobo, die friedlich und – typisch fr die hiesige Protestkultur – mit viel Musik ihren Unmut ber die RCTV-Schlieung zum Ausdruck bringen. Heute wie tglich in den vergangenen zwei Wochen, mitten in der Innenstadt von Valencia. Und sich der Solidaritt groer Teile der Bevlkerung sicher sein knnen, die Bilder zeigen es. Elf Minuten (Buchtipp) Venezuela. Heute Mittag. Bitteschn.

Zur Erklrung: Das Krzel „UC“ (auf den Hnden einiger Studenten & als Tag auf vorbeifahrende Autos und Busse gemalt) steht fr „Universidad de Carabobo.“

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Geschrieben von Johannes Haupt am Freitag 8. Juni 2007

So tun als ob

Drei der vier wesentlichen Kollegen von Johannes im Aquarium bei dem, was man hier so unter „Arbeit“ versteht: Abraham (Grofisch-Pfleger – mit Handy), Dikfrey (Kleinfisch-Pfleger – dazukommend) & Jose (Delfin-Pfleger & -trainer und Johannes‘ Chef – am Fische-Zerschneiden).

Geschrieben von Johannes Haupt am Montag 4. Juni 2007

Hausrundgang

Geschrieben von Johannes Haupt am Sonntag 3. Juni 2007

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