Der deutsche Exportschlager Venezuelas neben Luxusautos und allerlei maschinellem Krimskrams. Marx’ Kapital in der einen, die Bibel in der anderen Hand, die Sonne scheint und Schmetterlinge umflattern den glücklichen Erdenbürger. Wer braucht da noch Arbeit, bezahlbare Lebensmittel oder gar Meinungsfreiheit?
Die Wandmalerei im relativ egalen Marakay (Hauptstützpunkt der venezolanischen Luftstreitkräfte) behauptet: “Jeden Tag verhungern weltweit 30.000 Kinder aufgrund des Kapitalismus. - Wer sagt, der Kapitalismus ist gut?”
Vor vier Jahren hätte Johannes diese Phrase noch sofort unterschrieben, sieht die Dinge nun aber ein wenig differenzierter. Das Dreigestirn rechts (Text darunter: Trio zur Formung des neuen Menschen) zeigt den gescheiterten Freiheitskämpfer Francisco de Miranda, Staatsgründer Simón Bolívar und Guevara. Viele ähnliche Malereien ziert auch Chàvez Porträt.
Das Gebäude ihinter der Wand ist übrigens eine öffentliche Schule…
Als Vegetarierer kann Johannes mit McD zwar auch eher wenig anfangen, findet die Symbolik (Text über & unter MG: Lieber kämpfend sterben als versklavt leben) des Guten aber doch ein wenig zuviel. Dass die amerikanischen Fast Food Ketten hier prinzipiell bewaffente Securitys vor der Tür haben, ergibt durchaus Sinn.
Weitere beliebte Feindbilder der chàvistischen Stadtverschönerungen: Coca Cola & Pepsi. Die beiden Unternehmen haben den venezolanischen Getränkemarkt quasi unter sich aufgeteilt. So ist es fast unmöglich, stilles Wasser zu kaufen, welches nicht von Cola oder Pepsi vertrieben wird - ein Bombengeschäft, das Leitungswasser ist ungenießbar.
Besonders Pepsi ist ganz dick im Geschäft, deren Franchise-Nehmer einer der reichsten Männer des Landes. Die Produktpalette reicht von Bier (drei der vier populärsten Marken) über alle erdenklichen Softdrinks bis hin zu Milch, Jogurt und Spaghetti. Bleibt Chávez noch ein paar Jahre an der Macht, dürfte es für den Multikonzern aber zappenduster aussehen. Im Bereich “Verstaatlichung von Privateigentum” legt El Commandante ein mächtiges Tempo vor: Gerade erst hat es den TK-Quasimonopolisten und Mobilfunkbetreiber CanTV/Movinet erwischt, an dem sich die Regierung mittels sanften Drucks auf den bisherigen Mehrheitseigner Verizon die Aktienmehrheit sicherte.
Schimon Peres wurde vor elf Tagen zum Ministerpräsidenten Israels gewählt! Tolle Sache, ein fähiger Mann - und der bislang einzige Friedensnobelpreisträger, mit dem Johannes ein paar Worte (’Herr Peres, ich bewundere Ihr Lebenswerk’. / ‘Vielen Dank!’ / ab) wechseln durfe.
Das Foto zeigt Johannes, Peres’ nervösen Bodyguard, seinen Hinterkopf und irgend eine High Society Lady beim Empfang des dt. Botschafters zum Tag der Einheit am 02.10.03 in Tel Aviv. Da sich Johannes zusammen mit anderen eingeladenen Volontären (Junge Deutsche arbeiten ein Jahr unentgeltlich in unserem Land! Lasst sie kommen!), die wie er inmitten der politischen Elite des Landes völlig deplatziert wirkten, ausgiebig am angebotenen Gratis-Beck’s verköstigte, hat er darüber hinaus leider nicht mehr viele Erinnerungen an den Abend.
Kein Action-Clip von einer der zahlreichen Demonstrationen mit mehreren zehntausend Teilnehmern, die in den letzten Tagen durch die Straßen der Großstädte Venezuelas zogen. Keine Bilder von aufwiegelnden - aus den USA gelenkten - Oppositionsführern, die angeblich zahlreich Stimmung gegen Chàvez machen. Keine bezahlten Protestler. Lediglich eine Kundgebung von Studenten der öffentlichen Universidad de Carabobo, die friedlich und - typisch für die hiesige Protestkultur - mit viel Musik ihren Unmut über die RCTV-Schließung zum Ausdruck bringen. Heute wie täglich in den vergangenen zwei Wochen, mitten in der Innenstadt von Valencia. Und sich der Solidarität großer Teile der Bevölkerung sicher sein können, die Bilder zeigen es. Elf Minuten (Buchtipp) Venezuela. Heute Mittag. Bitteschön.
Zur Erklärung: Das Kürzel “UC” (auf den Händen einiger Studenten & als Tag auf vorbeifahrende Autos und Busse gemalt) steht für “Universidad de Carabobo.”
Drei der vier wesentlichen Kollegen von Johannes im Aquarium bei dem, was man hier so unter “Arbeit” versteht: Abraham (Großfisch-Pfleger - mit Handy), Dikfrey (Kleinfisch-Pfleger - dazukommend) & Jose (Delfin-Pfleger & -trainer und Johannes’ Chef - am Fische-Zerschneiden).
Die deutsche Linke muss sich dringend davon verabschieden, in Chàvez den strahlenden Heilsbringer im Kampf gegen Ungleichheit, die Globalisierung und natürlich das verhasste Bush-Regime zu sehen.
Nach dem Motto ‘der Feind meines Feindes ist mein Freund’ wird ‘El Commandante’ seit Jahren in den höchsten Tönen für seine vermeintlichen Errungenschaften für das in Armut lebende Groß der venezolanischen Bevölkerung gelobt.
Kann man auch machen: Von der Delfinfuetterung uebrig gebliebener Fisch wurde kurzerhand an sich eigentlich vegetarisch ernaehrende Affen weitergereicht. Den Tieren scheint´s geschmeckt zu haben.