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Worum geht`s?

Venezuela: Delfine, Stromausfälle und Tennis. Live aus dem real existierenden Chavinismus.

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Wappen Venezuelas

RCTV

El commandante hat es sich in den Sinn gesetzt, den größten, bekanntesten und ältesten Fernsehsender Venezuelas dichtzumachen. Am Sonntag ist es soweit: Radio Caracas Television - kurz RCTV (sprich: Erre Ze Te We) - wird um Mitternacht abgeschaltet, an seine Stelle tritt ein unabhängiger Fernsehsender “vom Volk für`s Volk.”

Grund für die Nicht-Verlängerung der terristischen Sendelizenz ist allein die regierungskritische Berichterstattung während der Unruhen 2002 und danach. Man stelle sich vor: Die BILD dichtet Frau Merkel einen Sex-Skandal an und wird dafür kurzerhand verboten.
In der laufenden Woche gingen Hunderttausende für die Meinungsfreiheit auf die Straße - selbst im fernen Deutschland wird über die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven berichtet.

Johannes ist ohnehin am Wochenende in Caracas (Musical-Besuch mit der Familie) und wird es sich nicht nehmen lassen, am Sonntag bei der zentralen Groß-Demo Flagge für die Meinungsfreiheit und gegen politisch gelenkten und manipulierten Angst-Journalismus zu zeigen. RCTV ist sicherlich kein Leuchtturm des qualitativen Fernsehens, hat aber auch seine Daseinsberechtigung und stellt hier ganz einfach ein Symbol für den Schwund der “Libertad de Expresion” im Lande dar.

Geschrieben von Johannes Haupt am Freitag 25. Mai 2007

Delfine kuessen


Peinliche 1:20min fuer eine denkbar simple Uebung aus dem Showprogramm. Immerhin gab’s Applaus von der Putzfrau.
Der Kerl hinter der Kamera & auf der Wand (Ende) ist Johannes’ Chef & der eigentliche Delfintrainer, José. Mehr spaeter.

Geschrieben von Johannes Haupt am Donnerstag 24. Mai 2007

Chicas

Johannes, Bonita (Schoenheit)
Johannes, Bonita (Schoenheit)
Auch Aturo wollte mal
(Mitte)

Natuerlich wusste Johannes: Die beiden Frauen haben sich nur an seinen Kollegen und ihn rangemacht, um bei der Fuetterung auch mal die Delfine streicheln zu koennen. Die Gelegenheit auf ein huebsches Foto hat er sich aber nicht entgehen lassen.

Geschrieben von Johannes Haupt am Sonntag 20. Mai 2007

Was Kinder brauchen

“Kinder haben ein Recht auf:”

Sehr schoene Wandmalerei in Pampatar (Margarita). Freudige Kinder in intakten Familien - wie illustriert - sind hier aber leider noch sehr viel mehr die Ausnahme als in Deutschland. Viele junge Maenner machen sich konsequenzenlos aus dem Staub, nachdem sie ihre oft minderjaehrige Freundin geschwaengert haben. Der allgegenwaertige und in vielen Familien praktizierte Katholizismus verbietet dabei bekanntlich sowohl Verhuetung als auch Abtreibung, was zu zahlreichen allein erziehenden Muettern fuehrt.
Die Folgen sind dabei aehnlich wie in Deutschland - keine Chancen auf Bildung und Wohlstand fuer die Muetter (oft selbst noch Kinder), eine Kindheit in einem verarmten Umfeld und umgeben von Drogen und Kriminalitaet fuer den Nachwuchs. Das alles noch sehr viel ausgepraegter als in Deutschland, da ein Sozialsystem allenfalls rudimentaer existiert.

Geschrieben von Johannes Haupt am Mittwoch 16. Mai 2007

Der Job

Der alte Mann und das Meer
Der alte Mann und das Meer

Nachdem die ersten zwei Wochen in Venezuela für Aklimatisierung draufgingen - sozusagen nebenbei arbeite Johannes im Gärtereiunternehmen seiner Gastmutter und kümmerte sich um die Grünanlagen von reichen Venezolanern - fing er Anfang März im Aquarium de Valencia an. Wie erwartet, war man nicht wirklich auf ihn vorbereitet und hatte keine festgelegte Tätigkeit für ihn erdacht.
Nachdem ihm von der einzigen englisch sprechenden Angestellten die Örtlichkeiten gezeigt und die Kollegen vorgestellt wurden, jobbte er einen Monat lang in immer anderen Bereichen. Mal war er in der Quarantänestation tätig und päppelte dem Aquarium übergebene Opfer von Verkehrsunfällen auf, mal verfütterte er lebende Ratten an Schlangen. Auch machte er zahlreiche Führungen von Schulklassen mit, die von Volontären (17-jährigen Touristikstudenten) begleitet wurden.
Mittlerweile arbeitet Johannes fix als Assistent des Delfintrainers. Seine Aufgaben: Gefrorene Fische mundgerecht zerschneiden und an die fünf Delfine verfüttern sowie die Säuberung des Beckenbodens, wofür er sich jeden Tag in einen Tauchanzug zwängt und eine Stunde lang in vier Metern Tiefe den Boden des 120 Jahre alten ehemaligen Trinkwasserspeichers mit Schmirgelpapier von Algen befreit. Er arbeitet fünfmal wöchentlich von “8:30″ bis “12:00″ sowie zweimal Nachmittags von “13:00″ bis “16:30″. An den anderen Tagen verhindern Sprachstunden nachmittägliche Arbeit. Die Anführungsstriche sind als Verweis auf die flexible Handhabung der Arbeitszeiten zu verstehen.

Geschrieben von Johannes Haupt am Montag 14. Mai 2007

Gleicher Preis

Apfel, Zigaretten

Kostenpunkt für einen Apfel (importiert aus Miama) ebenso wie für 20 Marlboro Lights (made in Venezuela): Umgerechnet etwa EUR 0,60.
Obst wird hier hauptsächlich in flüssiger Form - zu äußerst wohlschmeckenden Säften, die an jeder Spraßenecke zu haben sind, verarbeitet - oder gekocht konsumiert. Dabei gilt die Faustregel: Bezahlbar - für das Groß der Bevölkerung - ist nur, was auch im Lande gedeiht. Zitrusfrüchte etwa oder Bananen. Einige Früchte wachsen dabei sogar in Großstädten wild und allgemein unbeachtet. Unter Mangobäumen etwa liegen meist zahllose reife und langsam vor sich hinrottende Früchte.

Geschrieben von Johannes Haupt am Sonntag 13. Mai 2007

Johannes

Johannes, Cuba Libre
Johannes, Cuba Libre

Der Plan war schon lange gefasst: Nach seiner Ausbildung bei teltarif.de wollte Johannes noch einmal was für sich tun und an die Uni gehen. Genug Wartesemester hatte er mittlerweile ebenfalls angesammelt, um im reifen Alter von 23 Jahren trotz mäßigen Abiturs einen medienaffinen Studiengang in irgend einer schönen Stadt belegen zu können.
Unerwarter Weise bekam Johannes dann aber die Möglichkeit, seine ursprünglich auf drei Jahre angesetzte Ausbildung aufgrund guter Leistungen um ein halbes Jahr verkürzen zu können. So war er schon im Januar 2007 statt wie geplant im Sommer fertig, auf einmal gab es ein zu füllendes Gab von neun Monaten - das Wintersemester beginnt im Oktober.
Da er erst einmal genug von Büroarbeit und außerdem nach 2x mageren 25 Tagen Jahresurlaub akutes Fernweh hatte, plante er kurzfristig einen Tripp ins ferne Südamerika. Der spanischen Sprache wollte er schon immer mächtig werden und es galt in Ruhe über einige Dinge nachzudenken, wofür eine gewisse räumliche Distanz nicht schaden kann. Chàvez war ein Grund für Venezuela als konkretes Ziel, die relative Unberührtheit der Natur verbunden mit einer spärlichen Besiedelung ein weiterer.
Am 16.02. ging es früh morgens von Frankfurt aus via Lufthansa in zehn Stunden nach Caracas, von da aus in einer weiteren Stunde - nach fünf Stunden Wartezeit - nach Valencia. Dort wurde er bereits von einer Gastfamilie erwartet, die er sich von einer Entsendeorganisation für viel Geld finden ließ und ihm hier bis August Obdach gewährt. Neben einem zweimonatigen Spachkurs bekam er zudem eine unbezahlte Stelle im Aquarium de Valencia organisiert.

Geschrieben von Johannes Haupt am Sonntag 13. Mai 2007

Aquarium de Valencia

Auf der Suche nach Nahrung (Popcorn der Besucher)
Affenbaby vor Affenkäfig

Laut Lonely Planet der Anziehungspunkt für Einheimische. Zoo mit angeschlossenem Aquarium auf insgesamt acht Hektar. Außerdem zwei Restaurants (Pizzas & Cachapas), drei Verkaufsbuden für Kleinkram und ein Kinder-Vergnügungspark auf dem Gelände. 450.000 zahlende Besucher im Jahr 2006 bei rd. 35 Angestellten.
Das Aquarium beherbergt die größte Anzahl an Fischarten (ausschließlich Süßwasser) in ganz Lateinamerika, dass Zoologico ausschließlich in Venezuela beheimatete Tiere: Unter anderem Tiger, Jaguare, fünf versch. Affenrassen und allerlei Federvieh.
Aushängeschild und Hauptattraktion des Aquariums sind fünf Amazonasdelfine, 5/6 des weltweit in Gefangenschaft lebenden Bestandes dieser Art. Drei der Tiere führen in mehrfach täglich (dreimal werktags hauptsächlich für Schulklassen, sechsmal am Tag Samstags & Sonntags für dann sehr viel mehr Besucher) stattfindenden Shows ihre erlernten Kunststücke vor.
Gegründet in den 70er Jahren von einem Privatmann (J.V.Seijas), getragen von dessen Stiftung sowie der Stadtverwaltung. Aktueller Eintrittspreis: Umgerechnet etwa EUR 1,- für Erwachsene, Rabatte für Gruppen und Kinder.

Geschrieben von Johannes Haupt am Sonntag 13. Mai 2007

Valencia

Das Schild sagt: Mit Chàvez regiert das Volk
Verwaltungsgebäude (Centro de Valencia)

Mit knapp zwei Millionen Einwohnern hinter der Hauptstadt und der Ölmetropole Maracaibo drittgrößte Stadt des Landes. Rund zwei Autostunden westlich von Caracas 40 Kilometer von der Karibikküste entfernt gelegen. In den meisten Reiseführern als “hässliches Industriezentrum ohne Sehenswürdigkeiten” beschrieben. Viele Einheimische sehen das genauso: Laut, verdreckt und kaum abendliche Ausgehmöglichkeiten. Johannes ist da aber anderer Meinung, zumal die Attribute “laut” und “verdreckt” auf alle venezolanischen Städte zutreffen, die er bislang besucht hat.
Dank eines fähigen (oppositionellen) Bürgermeisters ist Valencia relativ sicher - für hiesige Verhältnisse. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, an einem durchschnittlichen Wochenende kommen nur ein halbes Dutzend Menschen gewaltsam zu Tode. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man auch hier gewisse Plätze (etwa das gesamte Zentrum) meiden, legt man Wert auf Gesundheit und Bargeld.

Geschrieben von Johannes Haupt am Samstag 12. Mai 2007

Venezuela

Ölraffinerie an der Karibikküste
Raffinerie der staatlichen Ölgesellschaft

Gelegen im äußersten Nordosten des wunderschönen südamerikanischen Subkontinents. Fast dreimal so groß wie Deutschland, hat dabei aber nur 1/3 so viele Einwohner. Hat die meisten “Miss Worlds” und “Miss Universums” überhaupt hervor gebracht - Schönheitsoperationen sind Daily Business, eine riesige Industrie lebt damit und davon. Durchschnittsalter der Bevölkerung: 22 Jahre (in Deutschland: 41 Jahre). Weltgrößter Pro-Kopf-Konsument von Black Label Wiskey, eigentlich aber berühmt für seinen - hier spottbilligen - Rum.
Große naturelle Vielfalt: Im Westen die Anden mit teils ganzjährig schneebedeckten Gipfeln, Karibik- und Atlantikküste (hier lebt der größte Teil der Bevölkerung), Regenwald und sogar eine Wüste. Sechstgrößter Erdöl-Exporteur der Welt (bis Mitte des letzten Jahrhunderts der Größte), ungeheure Bodenschätze. Dennoch viel Armut im Land, die Petrodollars kommen nur einer kleinen Oberschicht zugute.
Unabhängigkeit von Spanien 1821, in der Folge viele Bürgerkriege. Seit 1958 eine stabile Demokratie mit zwei sich abwechselnden Regierungsparteien. In dieser Zeit Filz und wuchernde Korruption, aber auch goldene Zeiten sogar für die normale Bevökerung während der nahöstlichen Ölkrise in den 70ern. Diverse Umsturzversuche in den 90ern, seit 1999 regiert vom demokratisch gewählten Ex-Militär Hugo Chàvez.

Geschrieben von Johannes Haupt am Samstag 12. Mai 2007

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